Zum Einstieg zwei Wahrheiten über mich:
1. Wahrheit: Ich bin überzeugter Atheist.
2. Wahrheit: Ich bin getauft und vor gar nicht allzu langer Zeit konfirmiert worden.
Nun mag man fragen: Wie passt das zusammen? – Ganz einfach: Ich habe in der Zeit zwischen meiner Konfirmation bis heute meine Meinung über Gott, Religion und Kirche radikal geändert. Ich war zwar damals nicht gerade ein christlicher Fundamentalist, aber ich war doch der Ansicht, dass es da oben etwas geben muss, was wir mit naturwissenschaftlichen Mitteln nicht erklären können … Das sehe ich jetzt eindeutig nicht mehr so. Eben, weil wir einen Gott mit naturwissenschaftlichen Mitteln nicht erklären können und die Vorstellung zudem in meinen Augen hochgradig unwahrscheinlich ist, habe ich mich vom Glauben an Gott abgewandt. Mein Denken ist allgemein rationaler und kritischer geworden, was ich nur nachvollziehbar finde. So ist man doch in dem Alter, in dem man konfirmiert wird, doch noch recht jung und mitten in der Pubertät … Und nach dieser Phase kann sich ja bekanntlich noch einiges im eigenen Wesen ändern. Deswegen finde ich dieses Alter eigentlich auch nicht optimal, wenn es darum geht, über die eigenen Religionszugehörigkeit, die ja auch eine längerfristige Sache sein soll, zu entscheiden – Aber das alles nur am Rande …
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Nun bietet es sich ja an, wenn man überzeugter Atheist ist, dass man irgendwann aus der Kirche, mit der man sich ja eigentlich überhaupt nicht mehr identifizieren kann, austritt. Und sich in meinem persönlichen Fall sogar im Gegenzug einer atheistischen Organisation anschließen will. Das ist allerdings so eine Sache mit dem Kirchenaustritt, wie ich jetzt leider feststellen musste. Ich muss zugeben, dass ich mich vorher noch nie so wirklich darüber informiert habe, aber jetzt war die Zeit einfach mal gekommen. Also konsultierte ich mal ein bisschen das Internet und fand Überraschendes sowie höchst Ärgerliches: Wenn ich mich zu einem offiziellen Kirchenaustritt entschließe, muss ich zunächst erstmal den Gang zum Standesamt auf mich nehmen, dort eine amtliche Erklärung zum Austritt abgeben und zusätzlich noch eine Gebühr für den Austritt zahlen. In Schleswig-Holstein sind das 10 Euro – Gut, nicht viel, aber dafür? Bloß, weil ich austrete? – Fand ich nicht besonders nachvollziehbar … Klar, man könnte jetzt sagen: Ach, das wird doch wohl ne einfache Verwaltungsgebühr oder etwas ähnliches sein. – Ja, klingt logisch … „klingt“, wohlgemerkt … Denn ich habe bisher noch nichts von einer entsprechenden Gebühr bei einem Eintritt in die Kirche gehört. Da liegt doch wohl ein deutliches Ungleichgewicht vor, oder? Und dieses Ungleichgewicht wird noch größer, wenn man bedenkt, dass ein Wiedereintritt in eine Kirche auch ansonsten viel einfacher möglich ist, da es in allen größeren Kirchen „Wiedereintrittsstellen“ gibt und auch beispielweise keine erneute Taufe als Bekräftigung der religiösen Überzeugung nötig ist.
Ich stelle mir folgende Situation vor: Ein Obdachloser hat den Glauben verloren und möchte nun seine Abkehr von der Religion auch offiziell bekräftigen. Dies wird ihm nach der gängigen Praxis allerdings schwer gemacht. Mal davon abgesehen, dass sein Status als Obdachloser auf dem Standesamt zu Komplikationen bezüglich seines Wohnortes führen könnte, hat er vielleicht auch ganz einfach nicht das Geld für einen Austritt. Ich denke mal, er weiß andere Dinge, für die er sein rares Bares besser ausgeben könnte und die ihm für den Moment mehr helfen. So wird er es sich wohl zweimal überlegen, ob er wirklich aus der Kirche austritt. Das heißt nichts anderes, als dass seine mangelnde Finanzkraft ihn de facto an einem Austritt hindert – Nun frage ich: Ist das gerecht? Entspricht es einer wirklichen Glaubensfreiheit, wenn man kostenlos in eine Kirche eintreten kann, der Austritt einen allerdings die Existenz kosten kann? – Nein, das ist es nicht und diese Praxis hat in einem säkulären Staat wie dem unseren keine Daseinsberechtigung …
Schlagworte: Atheismus, Gesellschaft, Kirche, Religion
6März2008 um 6:54
Auch ich wurde ebenfalls konfirmiert, kann mit der Institution Kirche jedoch nicht viel anfangen, finde die meisten gehen nur zur Kirche um ihr Gewissen zu reinigen, die eigentliche Hilfsbereitschaft fehlte teilweise sogar bei meiner Pastorin, die mich konfirmiert hat. Trotzdem glaube ich, dass es etwas da oben (nein, eher nicht im Himmel) geben muss.