Wir und Senf haben mehr gemeinsam, als man zunächst denken könnte. Wir sind zwar nicht Senf, aber wir neigen dazu, ihn oft genug als Produkt unserer Gedanken zu irgendeiner Sache beitragen zu wollen. Wir kommen nicht umhin, ständig unseren Senf dazugeben zu müssen … Aber müssen wir das eigentlich?
Es gibt da einen Comedian der besseren Sorte namens Dieter Nuhr, der lange Zeit mit folgender Aussage populär war:“Wenn man keine Ahnung hat – Einfach mal die Fresse halten!“ … Eigentlich halte ich von diesem Spruch rein gar nichts. Ich finde, jeder sollte das Recht haben, zu egal welchem Thema etwas beizutragen, zumal es nur äußerst selten um „Ahnung“ also Wissen, sondern hauptsächlich einfach um Meinung also Subjektives, wo es kein richtig und falsch gibt, geht. Aber Nuhr hat trotzdem auch irgendwo recht, wenn er latent anprangert, dass fast alle Leute, egal ob es nun angebracht oder wichtig ist, chronisch zu allem irgendetwas noch so unüberlegtes sagen müssen. Irgendetwas in ihnen zwingt sie scheinbar dazu. Und vielleicht sollte man sich mal überlegen, ob es denn so sinnvoll ist, zu allem was zu sagen.
Wenn man eine Sache kritisiert, ehrt man sie nicht noch zusätzlich damit, dass man sie eines Wortes würdigt? Drückt eine Auseinandersetzung mit ihr nicht auch eher Respekt als Abneigung aus? Warum reden wir eigentlich, warum sprechen wir … Zur Kommunikation und weil wir etwas aussagen wollen, denke ich. Aber kann man nur etwas aussagen – das Wort im übertragenen nicht im direkten Sinne, meine ich – wenn man spricht. Sagt nicht ein Blick manchmal mehr als tausend Worte? Ist ein Schweigen nicht eine viel aussagekräftigere Aussage als eine Aussage in mündlicher Form? Ist nicht Reden Silber und Schweigen Gold? Und „Pecunia non olet“ – und Gold noch viel weniger …